NRW hält zusammen
Volker Peitsch, Obermeister Metall-Innung Hamm

Gesellenprüfung unter Corona-Bedingungen

Metallbau-Prüflinge und ihre Prüfer meistern das

Samstagmorgen, sieben Uhr. Es herrscht reger Betrieb im Eduard-Spranger-Berufskolleg in Hamm. Die Gesellenprüfung der Metallbauer mit 17 Prüflingen steht an. Als ob dieser Umstand nicht schon für genug Spannung bei den Prüflingen der Metallbauer im Bereich Konstruktionstechnik sorgen würde, stellen die neuen Corona-Bestimmungen alle vor große Herausforderungen. Über acht Stunden Prüfung liegen vor den Azubis und auch Prüfern am heutigen Samstag. Die Begrüßung, die Anwesenheitskontrolle und die Aufklärung über die Covid-19 Schutzmaßnahmen nehmen dieses Mal mehr Zeit in Anspruch. Nach der Einverständniserklärung geht es für die jungen Männer in die 90-minütige schriftliche Ausarbeitung. Eine kurze Pause, und dann haben die Azubis fünf Stunden Zeit, die erlernten Grundfertigkeiten wie Sägen, Bohren, Feilen und natürlich auch das Montieren zu zeigen. Zwischendurch finden die Fachgespräche mit den Prüfern statt, wie Lehrer und Prüfer Frank Meister erklärt. Um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, wurden in diesem Jahr mehr Prüfer eingesetzt.

Die Prüfungssituation 2020 stellt alle vor ganz neue Herausforderungen. Die behördlichen Vorgaben waren nicht bis ins kleinste Detail vorgegeben. Fragen, wie man den geforderten Abstand von 1,50 m, besser noch 2 m, in den Werkräumen gewährleisten kann, blieben offen. Eine Aufteilung in Gruppen hätte bedeutet, dass unterschiedliche Prüfungsinhalte abgefragt werden müssten. Dies wollten die ehrenamtlichen Prüfer vermeiden.

„Das haben wir zum Glück auch geschafft“, wie der Berufsschullehrer am Eduard-Spranger-Berufskolleg, Frank Lange, erleichtert feststellt. Die Situation erfordert pragmatisches Mitdenken. Ein Punkt hat jedoch für eine Menge Kopfzerbrechen bei allen Beteiligten gesorgt: Die Maskenpflicht an den Maschinen. Denn um die Arbeitssicherheit zu gewährleisten, wäre eine Maskenpflicht nicht vertretbar gewesen. Das Berufskolleg verfügt aber glücklicherweise über genügend Platz, wodurch das Problem des Abstands zwischen den einzelnen Maschinen behoben werden konnte.

Dominik Willing hat seine Ausbildung zum Metallbauer im Bereich Konstruktionstechnik um ein halbes Jahr verkürzt und ist jetzt dankbar dafür, dass sein Prüfungstermin wie geplant stattfinden konnte. Der so wichtige Präsenzunterricht zur Prüfungsvorbereitung konnte coronabedingt seit Mitte März nicht mehr abgehalten werden. Aber die Not machte erfinderisch. Dominik fühlte sich sowohl von seinem Ausbildungsbetrieb als auch der Schule sehr gut unterstützt. So schaffte sein Arbeitgeber (Firma Mohs aus Hamm) die Möglichkeit, dass er sich für den praktischen Teil im Betrieb vorbereiten konnte, und die Schule unterstützte ihn mit digitalisierter Theorie.
Mit der Ausbildung zum Metallbauer hat sich Dominik für einen Beruf entschieden, der sehr abwechslungsreich und zukunftsträchtig ist. Für ihn ein echter Traumberuf im Handwerk.

Welche Voraussetzungen sollten angehende Azubis mitbringen, werden sich derzeit viele junge Menschen fragen. Denn trotz Covid-19 steht der Startschuss zum neuen Ausbildungsjahr kurz bevor. Zu allererst sollte man natürlich Spaß am Handwerk und eine gute Augen-Hand-Koordination haben. Zudem sollte man robust sein, denn der künftige Metallbauer muss auch mal kraftvoll anpacken und bei Wind und Wetter draußen arbeiten. Um sich ein umfassendes Bild zu machen, empfiehlt sich ein Praktikum. So kann der interessierte Schüler/Schülerin erfahren, was im Falle einer Ausbildung auf ihn/sie zukommt. Ein Betriebspraktikum ermöglicht aber auch den Unternehmen selbst, sich einen ausführlichen Eindruck von dem potentiellen künftigen Auszubildenden zu machen. Auf diesem Wege haben schon viele Betriebe, den für sie so wichtigen Nachwuchs gefunden!

Jetzt also -wie die Prüflinge an diesem Samstag im Mai 2020- einfach machen: Jeder, der sich für eine Ausbildung im Handwerk interessiert, kann sich direkt an die Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe wenden.

Information und persönliche Begleitung in eine Ausbildung im Handwerk durch Ausbildungs-Coach Dietmar Stemann, Tel.: 0173 5284269, E-Mail: stemann@kh-hl.de.