NRW hält zusammen

Cocooning-Trend beschert Tischlern mehr Aufträge

Im Frühjahr haben schon viele Menschen in der Hellweg-Lippe-Region die Zeit dazu genutzt, um ihre Wände neu zu streichen, den Keller zu entrümpeln oder auch den Garten auf Vordermann zu bringen. Doch auch größere Projekte gehen die Menschen jetzt offenbar vermehrt an: Dass die Auftragsbücher vieler Tischlereien jedenfalls gut gefüllt seien, sagt Matthias Ernst (Fröndenberg, Obermeister der Tischler-Innung Unna) und ergänzt: „Die Tischler-Kollegen haben gerade gut zu tun – im Fensterbau genauso wie im Möbel- und Innenausbau.“ In den sozialen Netzwerken hat dieses Phänomen bereits einen Namen bekommen: Cocooning bezeichnet den Trend, es sich zuhause möglichst schön und gemütlich zu machen. Das beobachtet auch Obermeister Ernst: „Je mehr die Menschen zuhause sind, desto mehr stört es sie auch, dass die Möbel im Bad nur zusammengewürfelt sind oder die Aufteilung in der Küche unpraktisch ist – oder, dass ein gemütlicher Rückzugsort in der Wohnung gänzlich fehlt.“ Denn ein eigener Platz zum Zurückziehen ist in Zeiten, in denen die Menschen viel zuhause arbeiten, besonders wichtig – ist aber gerade mit Familie oft nicht leicht zu realisieren.

Frust im Möbelhaus
„Wenn man dann ins Möbelhaus geht, muss man schon sehr genau wissen, was man will – und muss flexibel sein, was die Maße, Formen, Farben und die Materialien angeht“, sagt der Obermeister. „Ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass wir Tischler für Kunden sozusagen die letzte Hoffnung sind, nachdem sie lange durch mehrere Möbelhäuser geirrt und meist schon ziemlich frustriert waren.“ Handwerklich hergestellte Möbel und Einrichtungen sind nämlich vollkommen individuell geplant und gefertigt – als Einzelstücke für jede Kundin und jeden Kunden ganz persönlich.
„Viele Menschen, die zu uns kommen, haben zwar eine vage Vorstellung, aber noch keine konkrete Lösung im Kopf“, sagt Tischlermeister Ernst. Für Tischlerinnen und Tischler gehöre das genaue Zuhören und Fragenstellen wesentlich zum Job. Denn erst dann, wenn Handwerker ein genaues Bild von den Bedürfnissen und Vorstellungen der Kunden haben, können sie Vorschläge zum Design, zu Materialien und Farben machen. Fast immer sei dann auch eine passende Lösung dabei. „Und wenn wir alles fertig montiert sowie sauber ausgeführt haben und dann mitbekommen, wie glücklich die Kunden mit ihrer neuen Einrichtung sind, freut es einen echten Tischler sehr.“

BU:
Das Prüfungsstück von Tischlergeselle Johannes Wille (Hamm) – durch runde Form, flexiblen Aufbau und funktionale Details ein Paradebeispiel für den aktuellen Cocooning-Trend.